Was ist Künstliche Intelligenz? – Vortrag von Emin Özal (19) zwischen Neugier und Verantwortung

Mit einer Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und erstaunlichem Fachwissen näherte sich der 19-jährige Emin Özal aus Gronau einem der zentralen Themen unserer Zeit: der Künstlichen Intelligenz (KI). In seinem Vortrag vor voll besetztem Versammlungsraum des Heimatvereins erklärte er verständlich, was sich hinter Begriffen wie ChatGPT, Algorithmen und maschinellem Lernen verbirgt – und warum KI längst Teil unseres Alltags ist, oft ohne, dass wir es bemerken.

Özal begann mit einer einfachen Frage: Was ist eigentlich noch echt – und was nicht mehr? KI könne heute Texte schreiben, Bilder erzeugen, Stimmen imitieren und sogar medizinische Diagnosen unterstützen. Besonders in der Medizin, so Özal, eröffne KI große Chancen: Sie helfe dabei, Krankheiten früher zu erkennen, Röntgenbilder auszuwerten oder personalisierte Therapien zu entwickeln. „KI kann Ärztinnen und Ärzte entlasten, aber nicht ersetzen“, betonte er.

Gleichzeitig verschwieg der junge Referent die Risiken nicht. Viele Apps und Geräte hörten „immer mit“, analysierten Sprache und Verhalten, um Profile zu erstellen. Das werfe Fragen nach Datenschutz und Privatsphäre auf. Auch die Gefährdung von Arbeitsplätzen sei real: Routinetätigkeiten könnten zunehmend automatisiert werden, ganze Berufsfelder sich verändern oder verschwinden.

Ein zentrales Problem sei zudem die Unterscheidung zwischen wahr und falsch. KI erzeuge Inhalte, die täuschend echt wirkten – sogenannte Deepfakes. Als Beispiel produzierte  Özal ein fingiertes Bild von Friedrich Merz vor einem Heimathaus, das nie existierte. „Man glaubt, was man sieht – aber genau das ist heute gefährlich“, sagte er. Medienkompetenz werde damit zu einer Schlüsselqualifikation. Man muss schon genau hingucken. Man darf nicht alles glauben, was man sieht und hört. 

Trotz aller Kritik überwog bei Özal kein Pessimismus. Sein Fazit: Künstliche Intelligenz sei weder gut noch böse, sondern ein Werkzeug. Entscheidend sei, wie verantwortungsvoll Gesellschaft, Politik und jeder Einzelne damit umgingen. Gerade junge Menschen müssten lernen, KI kritisch zu nutzen, statt ihr blind zu vertrauen. Auch ältere Menschen seien manchmal leicht verführbar und allzu glaubselig. 

Josef Pieper vom Heimatverein bedankte sich herzlich für die locker vorgetragene Informationen mit einem kleinen Gastgeschenk. Der Vortrag zeige eindrucksvoll: Auch mit 19 Jahren lässt sich ein hochkomplexes Thema differenziert, verständlich und reflektiert vermitteln – zwischen Faszination und berechtigter Skepsis.